Mail-Art

Über die Mail-Art

Heike Sackmann wurde im Jahr 1969 in Krefeld geboren. Durch einen dreijährigen Japanaufenthalt fand sie den Weg zur Japanischen Tuschemalerei. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland studierte sie in der Zeit von 2004 bis 20006 Freie Malerei und Grafik an der Freien Kunstschule Stuttgart. Die Tuschemalerei verlor sie dabei nie ganz aus den Augen, denn auch heute zeichnet sie neben Stift und Feder noch immer gern mit dem Pinsel.

Obwohl sie in ihren künstlerischen Anfängen auch der plastischen Gestaltung zugetan war, widmete sie sich nach dem Studium ausschließlich der Grafik. Neben der Zeichnung gibt es Phasen, in denen sie mit Schere, Uhu und Papier an Werk geht, um neue Collagen, Fotomontagen, Künstlerbücher bis hin zu dreidimensionale Objekte entstehen zu lassen.

Ihren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt hat sie dabei in Winnenden gefunden. Aus der künstlerischen Isolation, die eine Kleinstadt so mit bringen kann, und dem Wunsch nach Vernetzung mit anderen Künstlern fand Heike Sackmann 2007 den Weg in die Mail-Art.
Im Jahr 2010 gründete sie die Edition 753, in der auch das eigene Mail-Art-Archiv untergebracht ist. Neben Teilnahmen an Mail-Art-Calls macht sie immer wieder auch eigene Mail-Art-Projekte und Kollaborationen mit anderen KünstlerInnen. Die Kommunikation ist ihr dabei besonders wichtig. Da ihr Hauptaugenmerk beim Bild liegt, geht ihr Weg, beginnende mit dem Projekt Dialoge im Jahr 2014, immer mehr in die Richtung der visuellen Kommunikation, in der Bilder auch ohne Worte kommunizieren können.

Über die Mail-Art

Die Mail-Art (=Postkunst) entstand Anfang der 70er Jahre. Sie findet, wie der Name schon sagt über den Postweg statt, auf dem sie in Form von Briefen, Postkarten, Objekten und Zines ihren Weg in die Briefkästen der großen weiten Welt findet.

Beweggründe Mail-Art zu machen gibt es viele. Isolation, sie sie nun politischer oder auch nur persönlicher Natur, ist einer dieser Gründe, die die Mail-Art gerade zur Notwendigkeit machen.

Sie ist das Fenster zur Welt, oftmals der einzige Weg den sozialen und politischen Missverhältnissen Widerstand zu leisten. Durch ihre offene Struktur, in der KünstlerInnen wie NichtkünstlerInnen gleichermaßen willkommen sind, ist die Mail-Art als Gegenentwurf zum elitären Kulturmarkt zu sehen. Durch das Netzwerk, das unabhängig von Verteilern des Kulturmarktes (Galerien, Museen, …) funktioniert, eröffnet die Mail-Art einen Raum, der nicht von diesen Verteilern diktiert wird.

Seit dem Jahr 2007 bin ich selbst Teil dieses Netzwerkes. Durch die Teilnahme an Mail-Art-Aktionen (Assembling Zines, Kollaborationen, Mail-Art-Calls...) und die Durchführung eigener Aktionen konnte ich in den letzten Jahren viele Erfahrungen sammeln.

Neben den Erfahrungen kam ich bis heute mit mehr als zweihundert Mail-Art-KünstlerInnen in Kontakt. Von der kurzen Begegnung bis hin zur langjährigen und andauernden Kontakten/Freundschaften war bis jetzt alles dabei.

Mit einigen Mail-Art-KünstlerInnen stehe ich schon seit vielen Jahren in Kontakt im regen Austausch,

Aber diese intensiven Kontakte sind nicht mit vielen geschweige denn mit allen Mail-Art-KünstlerInnen dauerhaft möglich.

Mittlerweile konzentriere ich mich ausschließlich auf die Teilnahme und Durchführung von Mail-Art-Calls. Daneben kollaboriere ich von Zeit zu Zeit mit anderen KünstlerInnen.

Kollaborationen und andere Aktionen wie z.B. Assembling Zines, ordne ich aufgrund der Vorgaben (im Bereich der Technik, in der Begrenzung und Auswahl der Teilnehmer durch die jeweiligen EditorInnen), nur im erweiterten Sinne der Mail-Art zu. Da mein künstlerischer Schwerpunkt im Grafischen (Zeichnung + Collagen) liegt, war und ist es für mich neben den Calls attraktiver zu kollaborieren und Unikate in Form von Büchern, Boxen entstehen zu lassen.

Mit der Mail-Art ist es wie mit einer Pralinenschachtel – man weiß nie was man kriegt!

Ganz in Sinne von Forest Gump, ist auch mein Umgang mit der Mail-Art. Nicht alles gefällt, aber am Ende wird jede bei mir eingegangene Mail-Art gleichwertig behandelt, dokumentiert und ins Archiv aufgenommen.

Kommunikation bleibt bei allem mein Ziel!

(cc)-Mail-Art

Im Umgang mit meiner Mail-Art bitte ich die Creative Commons zu beachten! Denn auch im Zeitalter des World Wide Webs sollte ein wenig Sensibilität gegenüber der Mail-Art gewahrt bleiben.
Mail-Art im Netz

In Sachen Mail-Art-Dokumentation ist und bleibt, dass World Wide Web, Fluch und Segen zugleich.

In den guten alten Zeiten, in denen die Mail-Art noch ausschließlich über den Postweg von Mail-Art-Künstlerin zu Mail-Art-Künstlerin getragen wurde, umwehte sie noch ein Hauch von Exklusivität. Eine Exklusivität, die denen vorbehalten war, die sie, die Mail-Art, auch mit Herzblut betrieben.

Die eigentliche Mail-Art, aber auch deren Dokumentation, in Form von Teilnehmerlisten bis hin zu Katalogen bleiben im Kreis der Mail-Art-Künstlerinnen und somit auch einem geschützten Raum.

Mail-Art war in dieser Zeit eine ziemlich kostenintensive Angelegenheit. Abgesehen von den immer entstehenden Portokosten, entstanden durch Druck und Verpackung von Dokumentationen erhebliche Zusatzkosten. Die Entwicklung innerhalb des World Wide Web, in Form von Content Managment Systemen (z.B. Weblogs/Blogs, eröffneten dem analogen Netzwerk namens Mail-Art in den 90 er Jahren den Weg in digitale Netze.

Der Verbreitungsgrad, den die Mail-Art durch diese digitalen Möglichkeiten erfahren hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber welchen Preis zahlen wir, indem wir unser Kunst jederzeit und jedem verfügbar machen?

Das Teilen und Schenken von Kunst macht innerhalb einer Gemeinschaft die sich den gleichen Prinzipien verschrieben hat, einen Sinn. Das weltweit unreflektierte Teilen im World Wide Web führt jedoch dazu, dass die Mail-Art zur einer Copyright-freien Bildersammlung degradiert wird, die jederzeit und von jeden genutzt werden kann.

Mail-Art-Dokumentationen im Internet sind mittlerweile Standard geworden und als Entwicklungsschritt hinzunehmen. Viele Calls konnten durch die Möglichkeit der kostenlosen digitalen Dokumentation überhaupt erst entstehen. Trotzdem sehe ich diese Entwicklung als bedenklich an, wenn ich sehe, wie beliebig der Umgang mit Mail-Art wird. Regelrechte Datenschlunde, in diesem Fall wohl eher Mail-Art-Schlunde, rufen fast monatlich zu neuen Mail-Art-Aktionen auf, die scheinbar nur das eine Ziel verfolgen, den eigen Blog mit Inhalt füllen. Über die passiven Mail-Art-Aktionisten, die nur Mail-Art-Sammeln und selbst nicht aktiv Mail-Art betreiben möchte ich erst gar nicht reden.
Eine echte Kommunikation ist bei diesem „Überaktionismus“ kaum noch möglich und wahrscheinlich auch nicht gewünscht. Die Korrespondenz bleibt auf der Strecke.

Das digitale Zeitalter hat auch in der Mail-Art seine Schattenseite. Ein großes Problem scheint mir in diesem Zusammenhang, der allgemeine Umgang mit Datenschutz und Urheberschaft zu sein. Blog-Mail-Art-Aktionisten wollen zwar weiterhin Inhalte im sozialen Netz teilen, aber die Verantwortung für die Inhalte (z.B. ob das Werk auch wirklich ein eigenständiges Werk ist) an die Urheber übertragen. Andere Blog-Mail-Art-Aktionisten vergessen, bei den vielen bunten Bildchen, gerne auch mal den Urheber namentlich zu nennen. Weitere gehen sogar so weit, das sie geteilte Postkunst gleich ganz unter ihrer Urheberschaft stellen. Postgeheimnis und Datenschutz werden durch Onlineveröffentlichung teilweise oder völlig außer Kraft gesetzt. Persönliche Briefe, Adressen und Telefonnummern, stehen ohne Zustimmung des Senders, plötzlich der ganzen Welt zur Verfügung.

Die Creative Commons auf meine Mail-Art zu übertragen und dadurch auch eine gewisse Sensibilität beim Empfänger zu schaffen, für mich die logische Konsequenz auf diese Missstände.


Impressum:

Edition 753//Heike Sackmann//Kornbeckstrass 13//71364 Winnenden//
Tel.:07195 580109//E-Mail:heike.sackmann (Klammeraffe) gmx.de